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Dolní Žižkov (Unteres Žižkov)

Standort: Prokopovo náměstí (Prokop-Platz) bei einem der Bäume

Die Bezeichnung „unteres Žižkov“ ist vom Geländerelief dieses Teils von Žižkov abgeleitet, der vom Tal am Fuße des Veitsberges (Vítkov) steil zu den Weinbergen (Vinohrady) aufsteigt. Zugleich kann der Standort als Kern des alten Žižkov charakterisiert werden, der ursprünglich aus Weinbaugehöften bestand, die hier ab dem Mittelalter insbesondere an den südlichen Hängen des Veitsberges (Vítkov), des Hl.-Kreuzberges (vrch sv. Kříže) und an den anliegenden Orten mit sonnigen Hängen entstanden. Die meisten Weingärten wurden zum Ende des Dreißigjährigen Krieges verwüstet und vernichtet und später nicht mehr erneuert. Die Entwicklung der Industrie im 19. Jahrhundert lockte viele Arbeitskräfte nach Prag, sodass sich auch der Charakter der Umgebung, somit auch der Žižkover Bebauung, veränderte. Die ehemaligen Ländereien und Gärten, das schwierige, hügelige Terrain und die sich entwickelnde Industrie prädestinierten die Parzellierung bzw. Teilung der Grundstücke für den Bau der Mietshäuser mit kleinen Wohnungen für die mittellosen Schichten. Das untere Žižkov ist ein Gemisch der Bebauung aus dem 19. und 20. Jahrhundert, welchem der erste Bürgermeister der eigenständigen Gemeinde Žižkov, der Bauunternehmer Karel Hartig, ein spezifisches Gepräge verlieh. Der von ihm erstellte Regulierungsplan aus dem Jahre 1865 ist der Grund, weshalb jenes Jahr als Jahr der Gründung Žižkovs erachtet wird.  Zugleich setzte er im Jahre 1878 die Bezeichnung Žižkov und später auch die Benennung der Häuser, Plätze und Straßen nach bedeutenden Persönlichkeiten und mit dem Hussitenbewegung sowie der Reformation verbundenen Orten durch. Durch sein Verdienst hat Prag 3 das wahrscheinlich älteste System der Straßenbezeichnungen in Prag. Die Straßenschilder in den rot-weißen Nationalfarben waren in tschechischer Sprache beschriftet, wobei diese Kennzeichnung später ganz Prag übernahm. 

Der Prokop-Platz (Prokopovo náměstí) und die Prokop-Straße (Prokopova ulice) erinnern an den hussitischen Heerführer Prokop Holý (Andreas Prokop, genannt Prokop der Kahle, auch Prokop der Große). Einige der Häuser auf dem Platz ergänzen durch ihre Bezeichnungen und Ausgestaltung diese Thematik, z.B. das Haus U Prokopa Velikého (Bei Prokop dem Großen) Nr. 220, welches eine Inspiration für die Benennung nicht nur des Platzes, sondern auch der anknüpfenden Straße war. Der Platz ist ein Zeugnis der außergewöhnlichen Komposition und Grundrissgestaltung nach dem Prinzip eines Dreiecks und einer jener Orte, denen in der städtebaulichen Absicht Žižkovs eine klar vorgegebene Rolle zugeordnet wurde.  Der Havlíček-Platz (Havlíčkovo náměstí, ursprünglich Basilejské náměstí/Baseler Platz) mit dem Rathaus war das Zentrum der Stadtverwaltung, der Sladkovský-Platz (Sladkovského náměstí) mit der Pfarrkirche wiederum das geistliche Zentrum, während der Prokop-Platz (Prokopovo náměstí) ein viel besuchter und bekannter Marktplatz war. Die Dominante des Platzes bildet heute das Jaroslav-Hašek-Denkmal von Karel Nepraš und Karolína Neprašová aus dem Jahre 2006, Autor der architektonischen Gestaltung ist Pavel Kupka. Die Plastik ist eine Hommage für den Autor des satirischen Romans Der brave Soldat Schwejk (Osudy dobrého vojáka Švejka), der einen Teil seines unkonventionellen Lebens in Žižkov verbrachte. Zu seinen Freunden gehörte auch Franta Sauer, Satiriker und Schriftsteller, welcher in Žižkov in der Straße Dalimilova ulice geboren wurde und das Geschehen in Žižkov während der Zeit der Ersten Republik (1918-1938) in seinen Memoiren mit dem Titel Franta Habán aus Žižkov fesselnd beschrieb. In das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangte er, indem er den Abriss der Mariensäule auf dem Altstädter Ring i November 1918 anregte und die Regie der Jubiläumsschlacht auf dem Veitsberg (Vítkov) im Jahre 1920 übernahm, die jedoch paradoxerweise mit dem Sieg der Kreuzritter endete. 

In der anknüpfenden Prokop-Straße (Prokopova ulice), im Hof des Mietshauses Nr. 4, verbirgt sich eines der architektonischen Kostbarkeiten Žižkovs, die Bethlehem-Kapelle der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder.  Die meisten Einwohner Žižkovs waren römisch-katholischen Glaubens, sodass die wenigen Protestanten die Gottesdienste in den Prager Kirchen St. Clemens oder St. Salvator besuchten. Erst um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts bildete sich eine kleine Gruppe von etwa zwanzig Gläubigen, die sich auf dem Prokop-Platz (Prokopovo náměstí) traf, wo auch der damalige Vikar der St.-Clemens-Kirche predigte. Die hiesige Filiale des Hus-Hauses wurde im Jahre 1903 gegründet, das erste Bethaus wirkte in der Hussinetzer Straße (Husinecká ulice) bis zum Jahre 1911, als der Eigentümer des Gebäudes die Räumlichkeiten für den Umbau zum Kino Edison vermietet. Angesichts des Mangels an freien Bauparzellen kaufte die Kirchengemeinde ein Haus in der Prokop-Straße (Prokopova ulice) mit der Bezeichnung „U generála Zacha“ (Bei General Zach)  (Nr. 216), errichtet im Jahre 1870. Zum Haus gehörte eine weitläufige Parzelle, die nach der Aufbereitung für den Bau eines Gemeindehauses mit einer Kapelle geeignet war. Der Errichtung nahm sich die Karlíner Baufirma Matěj Blecha an, welche die Erstellung des Projektes wohl dem Architekten Emil Králíček anvertraute. Die Geltendmachung der kubistischen Formenlehre im Sakralbau stellt in weltweitem Kontext einen einzigartigen Bautyp dar. Die feierliche Einweihung der Kapelle fand am 28. Juni 1914 (am Tage des Attentats in Sarajewo) statt, wobei sich die Gemeinde hier einen Tag später versammelte. Der einzigartige Kubismus in den Innenräumen wurde in geeigneter Weise auch durch die zeitgenössische Malerei in der Ausführung der Studenten der Žižkover Kunstgewerbeschule aus dem Atelier von Prof.  Pavel Novák im Jahre 1992 hervorgehoben.

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